Wenn sich in Gruselfilmen um Mitternacht auf dem Gemeindefriedhof der Sargdeckel in einer Gruft öffnet, geht Gevatter Vampir auf Nahrungssuche. Sein Albtraum ist der bloße Anblick oder auch nur der Hauch von Knoblauch. Entsetzt flieht dann der Blutsauger, um sich anderswo ein Opfer zu suchen. Hinter dem Mythos steckt erstaunlicherweise eine biochemische Wahrheit. Vampire und Werwölfe sind keine reine Erfindung, sondern übersteigerte sinnliche Wahrnehmungen im Verlauf eines bestimmten Leidens, der Porphyrie.
Eine schlimme Erbkrankheit mit Störungen der Blutzusammensetzung. Blutarmut, Epilepsie, Blässe, starker Haarwuchs, aufgesprungene Lippen, rot verfärbte Zähne und Verstümmelungen an Fingerkuppen und Ohrläppchen sind die Folge. Zu allem Überfluss sind solche Menschen auch noch lichtempfindlich. So sehen perfekte Vampire aus. Sind Haarwuchs und Vernarbungen besonders ausgeprägt, mag auch ein Werwolf dabei herauskommen. Auffällig häufig tritt das Unheil in einsamen Gegenden auf. Aus solch einer gottverlassenen Abgeschiedenheit stammt auch die Dracula Story. Porphyrie Patienten waren arm dran und konnten sich einst nur durch trinken von Tierblut helfen, scheuten das Tageslicht und kamen erst Nachts aus ihren Häusern. Alles zusammen, Aussehen, Bluttrinken und Nachtaktivität sind der ideale Nährboden für Vampirgeschichten. Einige Schwefelverbindungen im Knoblauch stören Aufbau und Funktion des roten Blutfarbstoffes und fördern dessen Abbau. Für die meisten Menschen ein harmloser Effekt. Aber Porphyriekranke meiden rein gefühlsmäßig Knoblauch wie der Teufel das Weihwasser.